Religiöser Widerstand

Brief von Monseigneur Théas, Bischof von Montauban, « ohne Kommentar zu allen Messen, in allen Kirchen und Kapellen der Diozöse am Sonntag den 30. August 1942 zu lesen » :

« Meine lieben Brüder,

Schmerzliche und manchmal schreckliche Szenen spielen sich in Frankreich ab, ohne dass Frankreich dafür verantwortlich ist.

In Paris werden zehntausende Juden mit einer unmenschlichen Grausamkeit behandelt. Und jetzt erleben wir in unseren Regionen ein trauriges Schauspiel: Familien werden auseinandergerissen; Männer und Frauen werden wie Herdenvieh behandelt und zu einem unbekannten Ziel mit einer Perspektive noch größerer Gefahren geschickt.

Ich bringe den entrüsteten Protest des christlichen Gewissens zum Ausdruck und erkläre, dass alle Menschen, Arier oder Nichtarier, Brüder sind, da sie vom selben Gott geschaffen wurden; dass alle Menschen, welcher Rasse oder Religion auch immer ein Recht auf den Respekt ihrer Mitmenschen und des Staates haben.

Die antisemitischen Maßnahmen, die im Augenblick stattfinden, sind aus diesem Grund eine Verachtung der Menschenwürde, ein Bruch der heiligsten Rechte der Person und der Familie.

Möge Gott diejenigen trösten und stärken, die unrechtmäßig verfolgt werden. Möge er der Welt einen wahren und dauerhaften Frieden schenken, begründet auf Recht und Barmherzigkeit. »

Monseigneur Théas in Les catholiques français sous l'occupation, Jacques DUQUESNE, Grasset, 1966