Louis Martin Chauffier

L’HOMME ET LA BETE, Gallimard, 1947, Folio, 1995.
Die Befreiung von Bergen-Belsen


« Über das Begreifliche hinaus,

Zwanzigtausend nackte Kadaver verrotteten zwischen den heruntergekommenen Baracken. Trockneten, sollte man besser sagen, denn von diesen verkrümmten Körpern blieb nur die Haut auf den Knochen [...]. Seit sechs Tagen hatte die dreißig- oder fünfundreißigtausend dorthin abgeschobenen Männer und Frauen nichts gegessen oder getrunken. Diejenigen, die noch laufen konnten, irrten ohne Ziel herum, verzögerten den Augenblick, flohen den Ort, wo sie sich hinlegen würden, um nicht mehr aufzustehen […]. In der stinkenden Luft, über Kadaver steigend kamen wir zu unserem Block […], es gab keine Scheiben in den Fenstern, keine Betten, keine Matratzen. Nichts als ein leerer Raum, in dem ein Million Läuse wimmelten. Keine Waschbecken oder Toiletten. Wir waren neunhundert in jeder Baracke, die gemacht war, um dreihundert Betten mit drei Stockwerken aufzunehmen. Das heißt, man konnte sich noch nicht einmal auf den Boden legen […]. Diejenigen, die nicht an der Ruhr litten, hatten Typhus, andere beides [...]. Die Kranken im Revier erhielten genau wie alle anderen nichts zu essen und zu trinken […]. Das ganze Lager war ein Vorzimmer zum Tod, voller Sterbender.

Hunger, Durst, die Ruhr, der Thyphus und die Schläge, alles wurde systematisch verbunden, um zu töten. Jeden Morgen kamen achthundert Körper zum Teppich der verrottenden Leichen dazu. Die Sterbenden zogen (sie hatten zum Tragen keine Kraft mehr) die Toten in einer langen Schlange bis zum Massengrab in einem Kilometer Entfernung. Es brauchte zwei Männer für jeden Toten. Oft fiel einer von ihnen vor Erschöpfung auf den staubigen Kadaver, den er am Bein zog. Die SS schlugen brutal zu: Wenn sich der Ärmste nicht bewegte, dann war er tot und wurde mit den anderen begraben. Und wenn er es noch nicht ganz war, dann begrub man ihn trotzdem […].

Ich hatte keine Hunger, nur Durst. Ich spürte den nahenden Tod mit Gleichgültigkeit. Ich gab mir noch acht Tage zu leben, mit großzügiger Prognose [...]. Seit zwei Tagen öffneten sich die Tore nur noch für die SS, die am Abend in kleinen Gruppen mit dem Fahrrad verschwanden. Die Erlösung war nah. Die Alliierten veranstalteten unbewusst ein Wettrennen mit dem Tod und wir waren der Einsatz. Auch das interessierte uns nicht mehr. Die Befreiung kam zu spät. Was bedeutete es uns, frei am Ort unserer Leiden zu sterben?
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