Pierre Brossolette

Meine Aufgabe ist es heute abend alle die zu ehren, die es fertiggebracht haben, dass Frankreich eine Gegenwart und eine Zukunft hat, die Gefallenen der France Combattante.

Von allen Toten, die die endlose Kette unserer ruhmreichen Helden bilden, stehen sie mehr als alle anderen für den Geist der Opferbereitschaft. […] Blinde Passagiere der letzten Schiffe, die das besiegte Frankreich verließen, bescheidene Fischer, die auf ihren Booten den Stürmen des Ärmelkanals trotzten, Seeleute und Bewohner der Kolonien, die sich den von Torpedos beschossenen Konvois anschlossen, mutige Überquerer der Pyrenäen, Ausbrecher aus den Lagern des Feindes, Gefangene, die aus den Kerkern des Verrats entkamen […]

Und in der Ferne, in der Nacht des Martyriums und der Gefangenschaft, antwortet ihnen die pathetische Stimme der Gefallenen im Untergrundkampf Frankreichs, die ständig dezimierte und ständig wiedergeborene Elite unserer Netzwerke und Gruppen, die massakrierten Geiseln von Paris von Châteaubriant, die Erschossenen deren unter der Folter geschlossene Lippen sich um Augenblick der Qual nur öffneten um zu rufen : « Es lebe Frankreich ».

Was sie gestern waren, das fragen sie sich nicht. Unter dem Lothringer Kreuz fragt der Sozialist von gestern den fallenden Kameraden nicht, ob er gestern zu den Croix-de-Feu gehörte. Auf dem brüderlichen Boden des Terroirs fragen d’Estiennes d’Orves und Péri nicht, ob einer gestern Royalist, der andere Kommunist war. Als Kameraden der gleichen Befreiung fragt der Père Savey nicht bei Oberleutnant Dreyfus, zu welchem Gott seine Ahen beteten. Von den Wellen der Arktis bis zu denen der Wüste, von den Beinhäusern Frankreichs bis zu den Friedhöfen des Sands, ist ihr einziger Glaube, der in ein zerstückeltes aber unteilbares Frankreich.

Oberste mit dreißig Jahren, Hauptmänner mit zwanzig Jahren, Helden mit achtzehn Jahren, das Kämpfende Frankreich war ein einziger langer Dialog der Jugend mit dem Leben. Die Falten im Gesicht der Heimat, die Toten des kämpfenden Frankreichs haben sie ausgemerzt; die Tränen der Ohnmacht, die sie vergoss, sie haben sie getrocknet, die Fehler, deren Gewicht sie erdrückte, sie haben sie wiedergutgemacht. Heute jährt sich der Tag, an denen sie General de Gaulle zum heiligen Bankett des Todes lud, und was sie von uns verlangen ist nicht Mitleid, sondern die Fortführung ihres Kampfs. Was sie von uns erwarten, ist nicht Bedauern, sondern einen Schwur. Nicht ein Schluchzen, sondern neuen Elan.

« Hommage aux morts de la France combattante » (Hommage an die Toten des Kämpfenden Frankreichs), Rede in der Albert Hall (Londres), 18. juni 1943