Denise Vernay

« Patriotismus und Bürgersinn », , das sind die beiden Begriffe, die meine Motivation mich im Widerstand zu engagieren am besten beschreiben.

Wer war ich damals? Denise Jacob, eine Jugendliche mit 16 Jahren im Jahr 1940.

Eines von vier Kindern, aufgewachsen in Nizza: eine Schwester Milou, einen Bruder Jean, eine kleine Schwester Simone.

Unser Vater war Architekt... und zwischen den beiden Weltkriegen ist nicht viel gebaut worden. Mutter war die Seele des Hauses. Die Familie, das Gymnasium und die laizistischen Pfadfinder waren die drei Pole in unserem Leben, das nicht einfach, aber voller Zärtlichkeit, Freundschaft und vielseitiger Aktivitäten war.

September 1939, es ist Krieg. Dann folgte der « Sitzkrieg » von Oktober 1939 bis April 1940. Er wurde "drôle de guerre" (komischer Krieg) genannt, weil der Krieg für einen Großteil der Bevölkerung wie in Erwartung, ausgesetzt schien. Mai 1940, die deutsche Invasion, die Ankunft der Flüchtlinge, die regellose Flucht der Truppen, die sich an einigen Verteidigungsstellen tapfer zusammengeschlossen hatten, es wird zum Debakel, die zittrige Stimme von Pétain, der Waffenstillstand, die Besatzung, die Kollaboration.

Die Weigerung zu glauben, es könnte für immer sein, dass unsere britischen Verbündeten von einem Tag auf den anderen zu Feinden erklärt wurden. Frankreich ist nicht mehr Frankreich. Es ist unvorstellbar, dass man mit den Nazis zusammenarbeitet, einem totalitären und unmenschlichen Regime. Wir hatten seit mehreren Jahren jüdische Flüchtlinge aus Deutschland aufgenommen, die alles zurückgelassen hatten, um ihr Leben zu retten. Ich erinnere mich noch an die ersten Dekrete gegen die Juden, an das bereits im August 1940, glaube ich, von Pétain unterzeichnete, das die politischen Flüchtlinge an ihre Henker auslieferte, unserer « Besieger ».Ich schäme mich, das ist unannehmbar, in völligem Gegensatz zu meiner Idee von Frankreich.

Oktober 1940 ich komme ins Gymnasium in die Mathe-Grundstufe. Die Presse stand damals unter Zensur, das französische Radio in den Händen der Besatzer, Fernsehen gab es nicht, es blieben nur die Anweisungen der BBC und « Franzosen sprechen zu Franzosen ». Zusammen mit einer Kameradin schrieben wir die Neuigkeiten, die vom englischen Radiosender veröffentlicht wurden, auf das schwarze Brett. Von London diktierte Trakte, kopiert und verteilt, das ist nicht viel, aber was tun? Es gibt kein Büro, wo man sich zum Kampf gegen die Besatzer anwerben lassen kann und auch keine illegalen Zeitungen, die man am Kiosk kaufen könnte. Man brauchte mehr Ideen als die Jugendliche, die ich damals war, haben konnte.

Allgemeine Knappheit, Schwierigkeiten im täglichen Leben. Wir haben Hunger, uns ist kalt, wir stehen Schlange, wir gehen ins Gymnasium. Im Herbst 1942 werden die Razzien zum Aufgreifen ausländischer Juden schlimmer.

Ich gehe zur Union générale des Israélites de France (Zwangsvereinigung der Juden Frankreichs - UGIF), Boulevard Dubouchage in Nizza: Es geht darum, jüdische Kinder und oft auch ihre Eltern, die aus allen Ländern geflohen und hier durch das Meer blockiert sind, in Familien zu verstecken, die damit ein großes Risiko eingehen. Fünfzig Jahre später werden die mutigen Personen zu « Gerechten unter den Völkern » erklärt.

Juli-August 1943, die Jagd auf die Juden intensiviert sich. Ich befinde mich zu diesem Zeitpunkt in einen Pfadfinderinnenlager und beschließe, nach Nizza zurückzukehren, denn ich will ein Netzwerk oder eine Bewegung des Widerstands eintreten. Ein Freundin und Führerin der Pfadfinder in Saint-Marcellin bringt mich als Verbindungsagentin in die Freischärlerbewegung, die zusammen mit Combat und Libération zu den Vereinten Bewegungen des Widerstands (MUR) gehört. Lyon ist ihr Zentrum. Ab diesem Moment tauche in den Untergrund ab. »

Denise Vernay in Franc-Tireur, 23 août 1946