1945-1954 : Von Ende des Kriegs bis zum Beginn der Erinnerung

Das Gefängnis auf dem Struthof

Von 1945 bis 1948 diente das Camp als Gefängnis und unterstand zunächst dem Innenministerium, dann dem Justizministerium. Etwa 2500 deutsche Zivilpersonen, Männer, Frauen und Kinder, die in der Kampfzonen anwesend waren, wurden ab Januar 1945 interniert. Auch elsässische Bürger, die im Verdacht der Kollaboration standen, wurden hier gefangengehalten.

Die ersten Gedenkveranstaltungen

Nach ihrer Rückkehr aus den Lagern treffen sich die Deportierten von Natzweiler, um die Erinnerung an diejenigen zu wahren, die nicht zurückgekehrt sind und Trost im Kreis ihrer ehemaligen Gefährten zu finden. Sie schließen sich zu Verbänden zusammen. Zwischen 1945 und 1950 werden drei Freundeskreise gegründet, die Amicale des Anciens Déportés Politiques du camp de Struthof (Freundeskreis de ehemaligen politischen Deportierten des KL-Natzweiler), die Amicale des Anciens internés des camps de Schirmeck et du Struthof (Freundeskreis der ehemaligen Internierten der Lager Schirmeck und des Struthof) und die Amicale des Déportés et Familles de Disparus de Natzweiler-Struthof et ses Kommandos (Freundeskreis der Deportierten und Familien der Opfer von Natzweiler-Struthof und seinen Kommandos). Bereits 1945 finden Gedenkveranstaltungen statt. Am 11. Februar lässt General Lattre an der Spitze der 1. Französischen Armee am Fuß des Lagers eine Totenmesse im Andenken an den General Frère und die elsässischen Patrioten feiern. Am 11. November laden Fanny und Yves Bouchard (Delegierter des Alliance-Netzes und Gründer des Komitees für soziale Werke des Widerstands - COSOR, Haut-Rhin) die Überlebenden des Lagers ein, am Tag der politischen Internierten und Deportierten teilzunehmen und organisieren einen Fackelzug zwischen Straßburg und dem Struthof. Fanny Bouchard sammelt die Dokumente im Struthof, geht die Lagerdaten durch und listet ca. zwanzig Nationalitäten auf. Ein Kreuz und eine Stele werden provisorisch im unteren Teil des Lagers errichtet, es sind die ersten Monumente des Gedenkens.

Die Prozesse

Im Jahr 1945 organisieren die Alliierten Prozesse für alle Verantwortlichen der Lager. Josef Kramer, der ehemalige Kommandant des Lagers wird von den Briten für seine Rolle in Bergen-Belsen verurteilt. Über die anderen identifizierten Verantwortlichen wird bei den Prozessen in Wuppertal, Rastatt und Metz gerichtet.

Die ersten erhaltenden Maßnahmen

Die Behörden erkennen auch sehr schnell die Notwendigkeit, die Anlage zu erhalten. Am 28. September 1949 überträgt der Ratspräsident bei der interministeriellen Kommission die Verwaltung des Lagers an das Ministerium für Kriegsveteranen und Kriegsopfer und es wird ein Projekt angestoßen, das Lager in einen zentralen Ort der Erinnerung für die Naziopfer zu umzugestalten. Am 3. März 1950 fällt der einstimmige Beschluss der nationalen Kommission der Deportierten, Internierten und Widerstandskämpfer zur Schaffung einer nationalen Nekropole, um hier die Leichen der Deportierten zu begraben, die die Nazis nicht verschwinden lassen konnten. Der Boden des ehemaligen Lagers wird 1950 und das Gebäude der Gaskammer 1951 denkmalgeschützt. Am 13. Oktober 1953 wird per Dekret ein nationales Komitee zur Errichtung eines Denkmals der Deportation auf dem Struthof eingesetzt.

Der Abriss der Baracken des Lagers

Auf Grund des schlechten Zustands des Lagers wurde beschlossen, einen Großteil der Baracken zu zerstören, die dem schlechten Wetter nicht widerstanden hatten. Am 29. März 1954 fand die symbolische Einäscherung der Baracke Nr. 12 bei einer offiziellen Zeremonie statt und gab den Startschuss zu den Umbauarbeiten der Anlage in eine nationale Gedenkstätte der Deportation. Zahlreiche Persönlichkeiten waren bei dieser Feier anwesend: Paul Demange, Präfekt des Bas-Rhin, ehemaliger Deportierter von Neuengamme; Georges Ritter, Vizepräsident des Conseil Général du Bas-Rhin, ehemaliger Deportierter; Camille Wolff, Abgeordneter des Bas-Rhin, ehemaliger Deportierter, Präsident des Freundeskreises der ehemaligen Internierten der Lager von Schirmeck und des Struthof; Yves Bouchard, ehemaliger Deportierter, Vertreter des Netzes "Alliance"; die Vertreter des Comité National du Struthof, der FNDIRP, der UNADIF, der UFAC sowie eine Delegation von ehemaligen deportierten Offizieren. 4 Baracken wurden zur Erinnerung an das Lager erhalten: Eine Schlafbaracke der Deportierten, der Küchenblock, der Zellenblock und der Block des Krematoriums. Heute werden die Standorte der damaligen Baracken durch Steinstelen verdeutlicht, auf denen die Namen der anderen europäischen Konzentrationslager verzeichnet sind.

Der Beginn einer nationalen

Subskription Die Exekutivkommission des nationalen Komitees wird durch das Dekret vom 2. Dezember 1954 geschaffen. Sie besteht aus ehemaligen Widerstandskämpfern, Internierten und Deportierten aus Natzweiler oder anderen Lagern. Sie hat die Aufgabe, alle notwendigen Maßnahmen zur Errichtung und anschließenden Instandhaltung des Denkmals zu ergreifen. Ein Dekret vom 5. Dezember 1954 genehmigt den Beginn einer nationalen Subskription. Ein imposantes Monument, dessen Gestaltung dem Chefarchitekten der Monuments historiques Bertrand Monnet anvertraut wird, kann auf Grund der großzügigen Spenden errichtet werden. 1956 wird eine Gedenkbriefmarke über das "Nationale Denkmal der Deportation" herausgegeben, die das Nationale Komitee des Struthof und die Subskription finanzieren soll. Eine spezielle Feier zum Ersttagsstempel findet am 14. Januar 1956 in Natzwiller (Bas-Rhin) statt.