Das Lager: ein Hinrichtungsort

Willkürliche Hinrichtungen waren in den Konzentrationslagern von Anfang an üblich. Hinrichtungen von eher "offizieller" Natur fanden aber auch statt.

Die von Theodor Eicke, dem Inspekteur der Konzentrationslager, für Dachau erlassene Verordnung sah Bestrafungen vor, die bis zur Todesstrafe hinreichten.

Am 13. Mai 1938 entkamen zwei Häftlinge aus dem KL Buchenwald, nachdem sie einen SS-Wachposten getötet hatten.

Himmler und Eicke waren wütend. Ausbrüche aus einem KL waren ohnehin selten, aber zum ersten Mal wurde ein Aufseher getötet.

Am 22. Mai wurde einer der Ausbrecher gefasst. Im Eilverfahren wurde er vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt.

Himmler wollte ein Exempel statuieren. Er intervenierte bei Hitler, um das Urteil am Tatort vollstrecken zu lassen.

Am 4. Juni 1938 wurden alle Deportierten von Buchenwald versammelt und sahen der Hinrichtung ihres Kameraden zu*.

Zum ersten Mal wurde ein Häftling in einem KL nach einem Gerichtsurteil hingerichtet.

Das KL Natzweiler entging dieser unheilvollen Regelung nicht.

Die ersten Hinrichtungen durch Erhängen infolge eines Todesurteils fanden im November 1942 statt.

Die Deportierten des Lagers waren nicht die einzigen Opfer.

Im selben Jahr, so Fritz Hartjenstein, der 4. Lagerkommandant, wurde das KL Natzweiler ausgewählt, um die Todesurteile zu vollstrecken, die von den NS-Gerichten in der Gegend ausgesprochen oder von den NS-Sicherheitsdiensten beschlossen wurden.

Sehr oft wurden die Verurteilten im Lager nicht registriert. Bei ihrer Ankunft wurden sie zur Sandgrube gebracht, um erschossen oder erhängt zu werden, oder sie wurden innerhalb des Lagers niedergeschossen.

Von daher lässt sich die Anzahl dieser Hinrichtungen schwer beziffern.

Anhand Gegenvergleiche und laut aktuellem Stand der Forschung soll es mehr als 400 Hinrichtungen im KL Natzweiler gegeben haben.