Max Nevers

     

Max Nevers, Nach Natzweiler[1], NN-Deportierter Matrikel 4585.

Max Nevers wurde 1920 im Departement Yonne geboren und arbeitete als Fleischer und Metzger in Dijon. Er wird 1940 in die Infanterie eingezogen. Im Januar 1941 schließt er sich in der Yonne in den FTPF dem Widerstand an. Er wird bald zum Chef des Netzwerks seines Departements und dann der Côte d'Or und eines Teils der Aube. Bei der Vorbereitung einer Sabotageaktion auf der Eisenbahnstrecke von Paris nach Marseille wird er zusammen mit anderen Kameraden verhaftet und ins Gefängnis von Dijon gebracht, von dem aus er über das Fort von Romainville ins Lager Natzweiler verlegt wird. In Romainville ist sein Mithäftling ein deutscher Professor, der ihm die Grundlagen der Sprache beibringt. Er erreicht das Lager Natzweiler mit dem Konvoi von französischen NN-Deportierten am 15. Juli 1943. Er erzählt hier einige Momente aus dem Leben der NN-Deportierten im Lager.


« Sie haben den Befehl erhalten, uns nach Natzweiler zu schicken (…), wir glaubten uns gerettet... [Bei unserer Ankunft in Rothau] haben wir gesehen, dass alle Fensterläden geschlossen waren (...). Wir wurden von Kramer in Empfang genommen [Anm. d. R.: der SS-Lagerkommandant] und in der Nähe des Krematoriums abgeladen. Dusche, Durchsuchung des Körpers, dann gab man uns eine Hose, ein Hemd ohne Kragen und ein Paar Holzpantinen. Wir hatten eine phosphoreszierende Farbe - die einen Rot, die anderen Gelb - auf dem Arm, auf der Hose und ein Kreuz und NN, Nacht und Nebel auf dem Rücken. Dann notierte ein Schreiber: «Max Nevers, Matrikel 4585 ». Ich war nur noch eine Nummer. (…) Im Block fand ich Kameraden aus dem Widerstand wieder. Einige wurden in den Kartoffelkeller, andere in den Steinbruch geschickt. Als wir sie wiederkommen sahen, da dachten wir, «das gibt es nicht...»;, eine Hälfte der Kameraden trug die andere Hälfte, die nicht durchgehalten hatte. Abends bin ich zu Roger Linet, einem Kameraden, gegangen und habe ihn gefragt, wie lange er schon hier sei. «Vier Tage ». «Und schon in dem Zustand! ? ». «Ja, wir schleppen die Steine auf unserem Rücken, die Sonne brennt in den Steinbruch. Dieser s... SS Ehrmanntraut uriniert auf diejenigen, die am Boden liegen...» (...) Ich war Mitglied eines Kommandos von circa sechzig Kameraden, im Inneren des Lagers, vor einem großen Hügel. Wir hatten Schubkarren, wir hackten, wir luden die Steine auf und schütteten sie in einen Graben. Wir mussten eine Terrasse errichten. Ich dachte an das, was mir Willy Behnke gesagt hatte [Anm. d. R.: einer der ersten deutschen Deportierten des Lagers Natzweiler-Struthof]: «Versuch deine Kräfte einzuteilen, aber immer in Bewegung bleiben... und mit den Augen arbeiten, schauen, wo die SS sind. Wenn der SS ankommt, dann hackst du ». Am ersten Tag lagen fast dreißig Jungs auf dem Boden, wie tot. (…) Eines Tages sagte ich zu einem jungen Kameraden, der an der Schubkarre war, er solle aufpassen, sich festhalten, um nicht zu fallen... er wurde in den Graben gestoßen, ich konnte ihn noch abfangen aber sie haben geschossen und ihn an der Seite getroffen. Er hat seine Schubkarre wieder aufgenommen und mir gesagt: «Sie müssen mich erwischt haben, es brennt ». Das war eine knappe Stunde vor dem Arbeitsende. Am Abend haben wir ihn zusammen mit einem Kameraden in den Block zurückgebracht und den Ärzten gezeigt [Anm. d. R.: ebenfalls Deportierte], Dr. Chrétien und Dr. Boutbien. Wir hatten kein Recht auf das Revier (die Krankenstation). Chrétien hat ein Stück Eisen erhitzt und die Kugel entfernt. (…) Nach vier oder fünf Monaten in diesem Kommando kam ein junger SS an, dekoriert mit einem Orden für seinen Einsatz an der Ostfront. Er hat uns angesehen und zu Fuchs gesagt, er akzeptiere nicht, dass wir unter solchen Bedingungen arbeiten... Fuchs hat ihn angebrüllt, er musste das Lager verlassen, wir haben ihn nie wiedergesehen. »

Wege der Erinnerung
September 2003


[1] « Destination: Natzweiler ». Auszug aus dem mündlichen Bericht von Max Nevers,
ehemaliger französischer NN-Deportierter des Lagers Natzweiler, Präsident des Freundeskreises »Amicale du Struthof, aufgezeichnet am 26. Juni 2003

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  • Max Nevers, ehemaliger Deportierter des KL-Natzweiler
    Max Nevers, ehemaliger Deportierter des KL-Natzweiler
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