Das Lager Natzweiler-Struthof umfasst nicht weniger als 70 Nebenlager, die in Deutschland und in Frankreich verteilt waren. Konrad Pflug, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg, koordiniert die Anstrengungen der Verantwortlichen einer großen Anzahl von Gedenkstätten dieser Lager. Zusammen unterstützen sie die Schaffung des Centre Européen du Résistant Déporté, indem sie der DMPA die Früchte ihrer Arbeit zur Verfügung stellen.
Man hat damit begonnen, die Deportierten aus anderen Lagern zu verlegen - auch aus dem Hauptlager -, je nachdem wie groß der Bedarf an Arbeitskräften in Nazideutschland war. Die Behandlung der Deportierten in den Nebenlagern ist genauso unmenschlich, ja fast noch grausamer als im Hauptlager. Im Frühjahr 1944 zwangen die Luftangriffe der Alliierten die Nazis einen Teil ihrer Fabriken in unterirdische Tunnel zu verlegen, wohin dann auch Deportierte geschafft wurden. In der Neckar-Region stellten die Deportierten Flugzeugmotoren her. Auf der Schwäbischen Alb, der Fortsetzung des Juras auf der deutschen Seite, hat man vergeblich versucht, aus Schiefer Erdöl zu extrahieren. Die Lager des Jägerstabs stellten Jagdflugzeuge her (Vaihingen/Enz). Im Herbst wurden auf Grund der anrückenden Alliierten die Deportierten aus dem Hauptlager in die anderen Lager evakuiert. In seiner physischen Form gab es das KL-Na nicht mehr. Die Nebenlager trugen diesen Namen allerdings bis zur Befreiung weiter. Die erschöpften Deportierten einiger Nebenlager wurden zum Schluss gezwungen, auf die tragischen "Todesmärsche" zu gehen, das grausame Ende des Prinzips "Vernichtung durch Arbeit".
Nach 1945 blieben nur die Friedhöfe, die von der französischen Militärregierung angelegt worden waren (Vaihingen, Schömberg, Schörzingen…). Die Betriebe und Lager waren demontiert worden oder dienten als Flüchtlingslager. Nach und nach hat die Bevölkerung begonnen, wieder Interesse an diesen Stätten zu zeigen, auch wenn das "Große Vergessen" lange die Oberhand hatte. Die Jungen begannen die Überlebenden zu fragen: "Erzählt uns darüber".
Es gibt lokale und regionale Sammlungen und natürlich die Bundesarchive in Koblenz oder die Archive in Washington…und manche auch an ganz unerwarteten Stellen. Heute wurden einige dieser Nachforschungen veröffentlicht, z.B. über Kochendorf oder Leonberg. Wir erwarten auch die Bücher von Pr. Steegmann über das KL-Na oder von Dr. Glauning über Bisingen. Natürlich haben die Berichte der Zeitzeugen eine große Bedeutung für die wissenschaftliche Forschung. Es haben sich sehr enge Beziehungen zwischen den Wissenschaftlern und den Überlebenden gebildet. Das führt zu einer besseren Kenntnis des Lagers…und regt zu neuen Nachforschungen an.
Isolierte Gruppen und Vereine kümmerten sich um die Überreste und stellten Nachforschungen an. Dann begann man mit der Errichtung von Denkmälern und der Einrichtung von kleinen örtlichen Museen. Es gibt in Deutschland keine Stelle, die der französischen DMPA (Direktion für Erinnerung, Kulturerbe und Archive) entspricht. 1995 wurde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, die die lokalen Initiativen in Baden-Württemberg koordinieren sollte. Schließlich beschloss der Landtag eine Unterstützung dieser Aktionen durch die Einrichtung einer Landeszentrale für politische Bildung in seinem Gebäude, deren Leiter ich bin. Unsere Tätigkeit besteht in der Förderung des Engagements der Bürger, der Unterstützung der Historiker sowie der museographischen und pädagogischen Projekte. Wir stehen in enger Verbindung mit den Vertretern der verschiedenen Gedenkstätten und der Arbeitsgemeinschaft, die immer noch besteht. Diese Gemeinschaft hat auch die Verantwortung für den Erhalt der Erinnerung anderer Deportationsstätten, von Juden, Sinti und Roma in erster Linie.
Es gibt Dutzende von Nebenlagern in Baden-Württemberg. Sie beherbergten zehn oder mehrere Hundert Deportierte und jedes dieser Lager verfügt heute mindestens über eine Gedenktafel, die an die Ereignisse erinnert. Einige verfügen über Museen, andere sind Objekt wissenschaftlicher Forschungen. Auf Dauer wollen wir freiwillige Guides ausbilden, die Medien besser nutzen, um unsere Tätigkeit bekannt zu machen und die Lehrer anregen, mit ihren Schülern diese Stätten aufzusuchen. Unser Bildungsministerium subventioniert diese Ausflüge, auch zum Struthof.
M. Voutey, ein ehemaliger Deportierter von Neckarelz und M. Vittori haben sich mit Frau Roos, der Präsidentin des Vereins von Neckarelz getroffen. Die gemeinsamen Interessen waren klar ersichtlich. Auch wenn die Geschichte Frankreichs und Deutschlands "vor 1945" unterschiedliche Verantwortungen mit sich bringt, so haben wir doch gemeinsame Verpflichtungen: Das Erhalten des Andenkens an die Opfer, die Verteidigung der Menschenrechte und der Freiheit, die Ermahnung zur Wachsamkeit gegenüber jedem Angriff auf das demokratische Ideal.
Aus diesem Grund und im Geiste des Elysée-Vertrags sind wir als Vertreter der Nebenlager glücklich, dass diese Orte der Geschichte und der Erinnerung ihren Platz im Centre Européen du Résistant Déporté finden und einen Aufbau von reellen und virtuellen Verbindungen zwischen unseren Staaten möglich machen. Im Namen alle meiner Kollegen möchte ich meinen französischen Kollegen einen herzlichen Glückwunsch zur Grundsteinlegung für das Centre Européen am 22. Juni übermitteln. »