Die Prügel

Anlässlich einer Rückkehr an den Ort seiner Deportation erinnert sich Boris Pahor:

« Und jetzt, wo ich vor den offenen Zellen stehe, vor dem Holzbock, auf den derjenige sich nackt bis zum Gürtel legen musste, dem man den Rücken mit einem Ochsenziemer zerfetzen würde, empfinde ich kein Mitgefühl mit ihm, kein Mitleid für die Schläge die er erhalten hat, ich fühle wieder dieses bewegungslose Schweigen, das die Ränge bis oben auf die Terrassen befiel.

Jemand hatte sich weggestohlen, um sich auszuruhen, hatte sich irgendwo ausgestreckt, ohne sich des Moments bewusst zu werden, an dem sich seine müden Lider geschlossen hatten. Wütende Männer suchten ihn in den hölzernen Stockbetten und den Toiletten, während das Gebell eines Wolfshunds, der durch die plötzliche Spannung nervös geworden ist, die dichte Stille zerriss. In diesem Moment dachte keiner von uns, die wir am Abend in engen Reihen auf den Terrassen des Hanges standen an diesen Holzbock, auf dem jetzt eine Tafel mit der folgenden Aufschrift steht: Prügelbock. Tatsächlich dachten wir nicht so sehr an die Bestrafung, die den Ärmsten erwartete, wir warteten vielmehr auf den Moment, an dem er, begleitet vom lauten und brutalen Lärm der Stiefel, unsichtbar irgendwo hinter uns auftauchen würde und sich dann in dieser hohlen Atmosphäre, allein vor den stummen Reihen wiederfinden würde, die pyramidenförmig in den Himmel ragten.»
Boris PAHOR