Die Mahlzeiten, der Hunger

« Aber was, kein Schild [in einem Museum] könnte jemals den Gemütszustand einer Person darstellen, die glaubt, ihr Nachbar hätte einen halben Fingerbreit mehr gelber Brühe in seinen Blechnapf bekommen. Sicher, man könnte ihre Augen darstellen und ihnen diesen ganz besonderen starren Ausdruck geben, der vom Hunger herrührt. Aber die Ungeduld der Mundhöhle und die hartnäckige Gier der Speiseröhre, die kann man nicht wiedergeben (...).

Eine Vielzahl von Köpfen, getrieben von einem hundertfach verstärktem Instinkt wimmeln, bewegen und verausgaben sich zwischen den Holzverschlägen mit einer fieberhaften Energie, um eine Kelle heißer Flüssigkeit zu erhalten, die wie eine lebenspendende Quelle erwartet wird. »

Boris PAHOR

« Es ist schrecklich zu sagen, aber in den Lagern kommandierte an oberster Stelle der Körper, der Magen, der Hunger. Man kann nicht denken, wenn der Organismus Hunger hat, er hat Hunger, da ist nichts zu machen. Entweder man findet zu essen, oder man versucht das Unmögliche. »

« Einer von uns verteilte allen anderen an der Tür einen Zettel, der dann dem Tischleiter gegeben wurde und dazu diente, die Morgenration entgegenzunehmen: Gestensaft oder Suppe, die (...) nur aus Wasser bestand, die wir aber dem 'Kaffee' vorzogen. Einige knabberten an einer kleinen Scheibe Brot, die mutig von der Vortagsration aufspart und über Nacht vor den Dieben versteckt worden war. »
André RAGOT

« Manchmal gab es Fleisch vom Abdecker, Fleisch von kranken Kühen mit Tuberkulose, mit Knoten an den Lungen. Ich hatte die Arztkameraden um Rat gefragt. Wir entschieden uns dafür, sie eine ganze Nacht kochen zu lassen, damit sie essbar wurde.

Wir kochten auch die Knochen, immer und immer wieder, um das Mark herauszuholen. Dadurch bekam die Suppe kleine gelbe Fettflecken und sah appetitlicher aus. »
Max NEVERS

« Ich litt unter Hunger und hatte es geschafft, mich in die Hundehütte einzuschleichen. Die waren in einem umzäunten Zwinger und ich habe mir die Taschen vollgestopft und alles mitgenommen was ich konnte, Hundekuchen, die extra für sie gemacht waren, scheinbar aus allen möglichen Abfällen. Aber was waren die gut! Mit einigen Kameraden haben wir sie wirklich genossen. »
René THALMANN