Die Ankunft im Lager

« Vor uns, etwas zur Linken, zwei Reihen von schwarzen Baracken, die aufeinander zu stehen scheinen, so steil ist der Hang, und von einem doppelten mehrere Meter hohen Zaun aus dichtem Stacheldraht umgeben sind, der eher an ein Fischernetz oder ein Spinnennetz erinnert. Ein Lager, daran besteht kein Zweifel. Hier im Elsass, und so nah an Straßburg! Kräftige Projektoren leuchten die ganze Fläche mit einem nackten und fahlen Licht aus. Wir gehen hinein und auf Grund des Hangs haben wir das Gefühl eines Abstiegs in die Hölle. Gnade dem, der unterwegs hinfällt. Unsere Peiniger werden ihm sicher nicht verzeihen. Sie brüllen und prügeln immer noch mit der gleichen Energie, dem gleichen sadistischen Vergnügen.

Wir sind in einer Art Büro angekommen, die erste Baracke links, wenn man ins Lager kommt. Alle haben vor Angst Knoten im Magen (...). Es ist das Aufnahmebüro, wo wir unsere Identität Bürokraten preisgeben müssen, die offensichtlich genau wie wir Häftlinge sind (...). »

« (…) Die letzte Baracke unten, nur wenige Meter vom Tannenwald entfernt. Aber das Spinnennetz zwischen ihm und uns zerstört jede Hoffnung auf eine nächtliche Flucht. Man muss den Verstand bewahren. Wir sind jetzt in einem Duschraum angekommen. « Alles nackt ausziehen! Aber schnell! ». Es ist ein anderer Häftling, der uns diesen Befehl gibt. Er ist gut angezogen und wohlgenährt (...). Wir gehorchen in völligem Einklang, so eilig haben wir es, alle diese Beleidigungen, die Schläge, die Schande dieser Erniedrigung abzuwaschen.

Ah, wie gut ist dieses wohltuende Wasser! Wir wissen noch nicht, dass es vom Verbrennungsofen geheizt wird, der im Nebenzimmer untergebracht ist, nur eine Wandbreite von uns entfernt (…).

Wir sind Automaten geworden, wir werden Automaten sein. Vor jeden von uns wird ein Haufen Lumpen geworfen. Eine Hose, eine Unterhose, ein Hemd, eine Weste, eine Mütze, zwei Lappen - einer für jeden Fuß - und ein Paar Pantinen, Holzsohlen mit Flechtwerk, um sie an den Füßen zu halten. Ein möglichst bunt zusammengewürfelter Haufen. Es sind alle Farben vorhanden. (…) und absolutes Verbot etwas zu tauschen. Wir sehen jetzt aus wie Vogelscheuchen (…).

Jeder von uns bekommt ein rotes Stoffdreieck mit einem F in der Mitte, und ein kleines weißes Rechteck, auch aus Stoff, mit einer Nummer. Alles muss am nächsten Tag auf die Westen genäht werden, auf der Herzseite (…).

Nummern, das ist aus uns geworden. Wir sind keine Männer mehr.

Ich bin nicht mehr Eugène Marlot, ich bin jetzt Matrikel 6149. Es kommt die Zeit des Verfalls. »
Eugène MARLOT

« Als wir aus den Lastwagen stiegen, wurden wir in Reih und Glied aufgestellt. Aus allen Richtungen brüllte es auf Deutsch und man verstand kein Wort. Später musste man gezwungenermaßen ein wenig Deutsch sprechen und vor allem zählen lernen. »
Roger CULERON