Illegale Presse

Hélène Viannay, Gründungsmitglied von Défense de la France

« Philippe Viannay hatte finanzielle Hilfe und Unterstützung beim Industriellen Marcel Lebon (Gas- und Stromunternehmen Lebon) erhalten, der den Kauf von zwei identischen Druckmaschinen finanzierte, die moderner waren als die Vervielfältigungsapparate (Ronéos). Eine wurde mit falschen Papieren für uns gekauft, die andere wurde offiziell in den Büros der Firma aufgestellt. Dieses System ermöglichte es uns, an das sehr streng rationierte und überwachte Druckmaterial zu kommen, das uns sonst gefehlt hätte: Tinte, Matrizen und verschiedene andere Produkte. Das System hat während der gesamten Besatzung funktioniert. Philippe wollte sich nicht an Druckereien wenden, die er als zu gefährdet ansah, aus diesem Grund haben wir unsere Zeitung immer selbst gedruckt. Mit den Spenden von Marcel Lebon konnten wir ein Tandem, einen Anhänger und etwas Material kaufen und auch Räume anmieten.

Jetzt ging es darum, zu beginnen: Artikel verfassen, einen Namen für die Zeitung finden - Défense de la France (Verteidigung Frankreichs) - und die ersten gedruckten Blätter verteilen. Die beiden Männer Philippe Viannay und Robert Salmon, beides Philosophen, verfassten die ersten Artikel; ich kümmerte mich um die Verteilung und organisierte von Anfang an ein Sicherheitssystem, das bis zum Schluss funktioniert hat, auch als andere die Verteilung übernahmen.

Unsere erste
« offizielle » Auflage waren 5.000 Exemplare (im April, bevor wir einen Namen für unserer Zeitung gefunden hatten, gab es bereits einen ersten Versuch mit 3.000 Exemplaren). Das Gründungsdatum ist der 14. Juli 1941 mit der Nummer 1. Ab diesem Zeitpunkt und begleitet von vielen Abenteuern und Emotionen, folgte eine Nummer der anderen bis zur Befreiung, die letzte war die Nummer 47.

Unsere Anfänge waren schwierig, genau wie die Zeit, die wir erlebten: Deutschland gewann an alle Fronten und verteilte seine Armeen überall in Europa. Nur England hielt stand. In Frankreich litten wir unter der Kälte und dem Hunger, es schneite im Winter, die Ausgangssperre schränkte die Bewegungsfreiheit ein, die Deutschen waren überall. Es waren lange Monate, in denen die Hoffnung zu schwanken begann. Dennoch war die Zeitung erfolgreich und es gelang es nie wirklich, der Nachfrage unserer Verteiler gerecht zu werden. Natürlich machte am Anfang jeder alles: Beteiligung an dem, was wir Direktionskomitee nannten; lernen, wie man die Maschine bedient, wie die Typographie beherrscht wird, Komposition von Texten, Verteilung der Nummern, Mädchen und Jungs in perfekter Gleichberechtigung, denn unsere Männer waren nicht frauenfeindlich. Nach und nach haben wir aus Gründen der Effizienz dann doch Ateliers gebildet (Typographie, Druck...).

Wir mussten mit unserer wertvollen Maschine mehrere Male umziehen, entweder auf Bitten derer die uns beherbergten oder weil wir fanden, dass die Blicke der Nachbarn zu neugierig wurden. So beschloss ich Ende 1941, unsere Druckerei im Keller meines Labors in der Sorbonne einzurichten. Wir blieben dort einige Monate und arbeiteten auf Grund der Ausgangssperre nachts. Es war ein sehr anstrengende aber mitreißende Zeit.

Aber die äußeren Ereignisse betrafen uns auch: Die Judenrazzia im Sommer 1942 führte dazu, dass wir unser System falscher Papiere weiterentwickelten, das schließlich sehr gut wurde. Die Landung der alliierten Truppen in Nordafrika gab uns neue Hoffnung. Außerdem waren wir nicht mehr allein: Eine Gruppe junger Studenten und Gymnasiasten, die Volontaires de la Liberté (Freiwillige der Freiheit) waren zu uns gestoßen. Sie kümmerten sich um die Verteilung, die in wenigen Wochen von 20.000 auf 150.000 Exemplare stieg. Wir hatten die Größenordnung gewechselt.

Das Redaktionsteam hatte sich verstärkt. Ein junger Mann mit dem Namen Jean-Daniel Jurgensen, ein zukünftiger Diplomat, hatte sich zu uns gesellt. Er war Mitglied eines Informationsnetzwerks dessen Mitglieder alle verhaftet worden waren, er hatte Glück gehabt. Sein Beitrag war wichtig, denn er war ein intelligenter Gaullist und überzeugte sogar Philippe, den Mythos des Widerständlers Pétain aufzugeben.
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Hélène Viannay in Combats de femmes, 1939-1945, Evelyne MORIN-ROTUREAU, Autrement, 2001