« Im Januar und Februar eine Welle der Verhaftungen bei den MUR (Mouvements unis de Résistance) in Lyon, ich tausche meinen Mantel mit dem eines anderen Verbindungsagenten, weigere mich aber, meine blonden Zöpfe abzuschneiden. Eine Unterbrechung ist nötig.
Ich besuche meine Familie am 18. März anlässlich des 21. Geburtstags meiner älteren Schwester. Es sollte unser letztes Familientreffen sein. Alle werden am 28. März als Juden verhaftet. Ich erfahre es in Lyon durch einen postlagernden Brief. Meine Mutter, mein Vater und mein Bruder sind nie zurückgekehrt.
Man spürt die nahende Landung der Alliierten. Ich will jetzt mit Waffen kämpfen. Die Mouvements unis von Hochsavoyen suchen einen Verbindungsagenten. Anfang April breche ich nach Annecy auf, aus « Miarka », mein Kriegsname in Lyon, wird « Annie ». Ich durchquere Annecy und das Departement mit seinem Relief mit dem Fahrrad. Die Maquis liegen nah beieinander.
6. Juni, endlich die Landung der Alliierten, die Freude ist groß, aber es ist nicht vorbei. Alles würde wesentlich länger dauern und viel härter sein, als wir gedacht hatten.
Am 14. Juni 1944 wird ein Verbindungsagent für die Armée secrète, die Geheime Armee gesucht, die zusammen mit den F.T.P. (Francs-Tireurs et Partisans) das Plateau de Glières hält. Ein für sie bestimmter Abwurf war in der Saône-et-Loire gelandet. Zwei Funkgeräte und ihre acht Akkus; eine große Geldmenge und zwei Koffer der Agenten, die zur selben Zeit gelandet waren, mussten dort in Empfang genommen werden. Es handelte sich um den Chef der Armée secrète « Cantinier » und einen amerikanischen beobachter « Niveau ». Ich melde mich freiwillig.
Der Tag bringt mich nach Cluny (240 km mit dem Rad), dann, zwei Tage später zu einem Kommandoposten des Maquis der Saône-et-Loire in Brançion.
Dann war ich mit dem Taxi und meinem gefährlichen Gepäck unterwegs. In jedem Fall brachte mich der Fahrer zu Freundinnen nach Caluire. Dort verbrachte ich die Nacht mit meiner wertvollen und gefährlichen Ladung.
Am nächsten Tag holte mich ein anderes Taxi in Caluire ab. Auf halbem Weg zu unserem Ziel - den Schließfächern des Bahnhofs von Aix-les-Bains - geriet ich zufällig in eine Straßensperre der Feldgendarmerie zwischen Bourgoin und La Tour du Pin und wurde angehalten.
Überprüfung der Papiere, Kontrolle des Gepäcks, grenzenloses Erstaunen des Fahrers, der nicht wusste, was er transportiert. Ich wurde der Gestapo in Lyon übergeben, einer schweren Befragung unterzogen (die Badewanne) Place Belcour, dann zehn Tag im Fort de Montluc, zehn Tage im Fort de Romainville, dann Ravensbrück am 26. Juli. Immatrikuliert im Konvoi der Nr. 46 800, verließ ich das Lager am 2. März 1945 in Richtung Mauthausen in einem Nacht-und-Nebel-Konvoi (NN) in dem sich auch « Zigeuner » befanden. »
Denise Vernay in Les Amitiés de la Résistance, Mairie de Paris, 1994