Maquis

Dominique Vincetti - Die Einrichtung des Maquis von Ols im Aveyron.

« Zuerst muss der Ort für den Maquis festgelegt werden. Unsere Nachforschungen haben uns in den ersten Februartagen auf das Felsplateau Causses von Ambeyrac geführt, wir sind drei Franzosen. Wir wollen uns das Felsplateau ansehen, das nach den erhaltenen Informationen unseren Anforderungen entspricht. Sollten die Informationen exakt sein, dann wird Ambeyrac bald die Hauptbasis unseres Maquis. Gegen 16 Uhr kommen wir auf den Causses an. Um die Dörfer Naussac, Gelles und Foissac zu vermeiden, nehmen wir vom Bahnhof von Naussac aus die kleinen Seitenwege oder laufen quer über die Felder, hier in den kleinen Orten spricht sich die Ankunft von Fremden schnell herum. Wir verbringen den ganzen Nachmittag damit, das gesamte Plateau zu erforschen und gehen nachts nach Ambeyrac zurück, wo unser Freund Louis den Lehrer Marty kennt, der auf Grund der Anweisungen von Vichy hier gelandet ist. Wir kommen erst gegen Mitternacht mit Dorf an, wir befinden uns in einem Labyrinth der Causse, in dem alle Häuschen das gleiche Modell und jedes Gebüsch das gleiche Aussehen zu haben scheinen. Im Dorf ist die Bevölkerung noch nicht eingeschlafen, denn wenn es für uns 24 Uhr ist, ist das nicht dasselbe für die Landbevölkerung, die mit der offiziellen Uhrzeit nicht zu tun haben will. Es ist also etwa Mitternacht, als wir bei Marty ankommen, den wir bitten, uns über Nacht aufzunehmen. Dort tauschen wir rund um ein kleines Feuer unsere Eindrücke aus. Wir diskutieren die Organistationsmöglichkeiten, alles scheint unseren Anforderungen zu entsprechen. Vor dem Morgengrauen gehen unsere beiden Kameraden wieder los, es sind zwei regionale Leiter. Am selben Abend nehme ich mit Herrn Vernet Kontakt auf, der mir von Marty vorgestellt wird. Es ist ein typischer Bauer aus dem Aveyron, empfindlich und sehr direkt. Ich begreife sofort, dass ich offen mit diesem Mann sprechen muss, dass Tricks hier nicht angebracht sind und so erkläre ich ihm ohne Umschweife den Grund meines Besuchs in der Region, meinen Auftrag. Er hört mir sehr aufmerksam zu, unser Freund ist Familienvater und hat mehrere kleine Kinder und seinen alten Großvater für den er sorgen muss, doch der Patriotismus hat Vorrang vor familiären Überlegungen. Frankreich in Ketten, so erklärt er, ist wie seine Familie in Ketten und seine Pflicht ist es, sich am Sprengen dieser Ketten zu beteiligen. Ihm gehört ein kleines Häuschen auf der Causse, kein von Blumen umgebenes Chalet oder ein luxuriöses Landhaus, in das sich die Profiteure der Kollaboration zur Erholung zurückziehen, sondern eine einfache Scheune, Zufluchtsort für das Vieh bei schlechtem Wetter. Ohne zu Zögern gibt er uns die Schlüssel aber damit ist es nicht getan, denn in einigen Tagen kommen die jungen Leute, um in unserer "Villa" zu wohnen und wir müssen etwas zu Essen für sie finden, zumindest für die ersten Tage. Aber die Antwort von Vernet ist genauso kategorisch wie die erste, "Lasst die jungen Leute kommen und sie werden etwas zu essen bekommen, vielleicht kein Hühnchen, aber Kartoffeln, Brot, Bohnen, Speck und sogar ein wenig Nussöl". Noch eine Kleinigkeit, dann haben wir es geschafft, wir bräuchten etwas Heu zum Schlafen. "Das finden wir", antwortet unser Freund. Aber ganz alleine schafft ihr das nicht, ihr müsst jemanden finden, der euch hilft; glaubt ihr nicht, dass es im Dorf andere Personen gibt, die glücklich wären, uns zu helfen, dem Maquis zu helfen? Aber Vernet ist vorsichtig und zögert, er will die Entstehung des Maquis nicht herumerzählen; es könnte Indiskretionen und Klatsch geben. »

Dominique Vincetti in Construire l'histoire de la Résistance, Aveyron 1944, Christian FONT & Henri MOIZET, CRDP Midi-Pyrénées