Die Folter

     

Denise Vernay, «Dans les mains de la police allemande sous l’occupation» (In den Händen der deutschen Polizei während der Besatzung), erschienen in Franc Tireur, am 23. August 1946.

«Eine halbe Stunde später, die Badewanne... es ist ein gewöhnliches Badezimmer, klein, in dem sich aber zusammen mit mir vier Bestien aufhielten, darunter auch Franzosen. […]

« Ziehen Sie sich aus… »

Ein kurzes Zögern. Aber im Grunde genommen, sind das Männer? Hier stehe ich nun nackt, mit einer derartigen geistigen Gleichgültigkeit, dass ich das Grauen der ersten Berührung unterdrücken kann. Ich bin sogar so kaltblütig, meine Armbanduhr abzunehmen und auf das Bord am Waschtisch zu legen. […]

Jetzt stehe ich vor dem Unbekannten. Ich folge mir bis zur Rand der Badewanne. Auf ihren Befehl steige ich hinein. Was ich vorher nicht wissen kann, ist, wie werden meine Muskeln und meine Nerven auf die körperlichen Schmerzen reagieren? Es ist eine Prüfung, die man durchleben muss, um sie zu verstehen […] Man muss im wahrsten Sinn in das Bad »eintauchen«, um sie zu messen, um sich selbst zu messen. […] Mein Kopf wird sofort leer. Ich atme nicht mehr. Es ist der brutale Kampf um das Leben und ich weiß, das sie es mir nicht sofort nehmen werden.

Ich liege auf dem Boden der Wanne, die Füße außen auf dem Wannenrand, zusammengebunden, ich warte, mit leeren Kopf auf die Folter, die sich meine Phantasie nicht vorstellen kann. Ich bin mir bewusst, dass ich nicht zu schnell reden darf und dass jede meiner Antworten entweder eine Lüge oder sehr ungenau sein muss. Das Wasser läuft auf mich, steigt vom Boden der Wanne, wo mein Kopf festgehalten wird, weiter nach oben. Ich wehre mich nicht, höchstens habe ich kurz gezuckt, als es mich berührte. Das Wasser steigt bis zu meiner Nase, zu meinem Mund. Ich schlucke brav, so wie man es mir geraten hatte. Ich trinke.. Ich weiß jetzt, warum sie zu dritt sind, um mich zu halten. Ich bin stark und es fällt ihnen nicht leicht, meiner Unruhe Herr zu werden, die ich versuche zu kontrollieren und die ich zurückdrängen kann. Zum ersten Mal stelle ich fest, das der Körper dem Willen nicht immer gehorcht. Sich nicht wehren? Aber wie? ... Ich ersticke. Ich kann nicht mehr… genug… genug; ich schreie nicht, aber ich weise sie an, mich loszulassen… umsonst… Machen sie diese Arbeit aus Pflichterfüllung oder aus Vergnügen?

Zwischen jedem Tauchgang »Reden Sie… Was wissen Sie? Adresse Ihres Sekretariats? Name der Komplizen?…»

Ich erkläre weiter, ich wüsste von nichts, ich hätte bereits alles gesagt und in meinen Kopf erfinde ich echt klingende falsche Adressen.

Zu den Erstickungen während des Eintauchens fügen sie während der notwendigen Pausen Erstickungen durch das Begießen des Gesichts mit Wasser hinzu. Das Wasser aus einer Flasche füllt den Mund und die Nase. Ich wehre mich so stark, dass die Wasserflasche kaputt geht... Sie unterbrechen die Folter, leeren die Badewanne, um die Glassplitter zu entfernen damit, so sagen sie «ich nicht beschädigt werde»! Um zu vermeiden, dass das noch einmal vorkommt, legen sie meine Hände in Handschellen auf den Rücken... und das Bad geht weiter...

Wie viele Tauchgänge, das weiß ich nicht, aber insgesamt hat es eine Stunde gedauert, das konnte ich sehen, als ich meine Uhr wieder anlegte. Ich hatte gezögert es zu tun, weil ich fürchtete, dass eine solche Geste ihnen verraten würde, wie klar ich noch war…

Ich musste jedoch reden. Ich muss mich in jedem Moment kontrollieren, daran denken die Fakten zu entstellen. Ich habe nur die Kraft, sie zu verschleiern, um sie an die Grenze der Unkenntlichkeit zu bringen. Ich fühle mich [so] nah an meinen Verwandten und Kameraden, dass ich Angst habe, sie könnten durch mich hervortreten. In diesem Moment habe ich euch alle gesehen und ihr habt mich durch das absolute Vertrauen unterstützt, das ihr mir immer entgegengebracht habt. Es ist mir keine Minute in den Sinn gekommen, euch zu verraten.

Ich muss gestehen, dass ich nach einem dieser Tauchgänge eine Geste machte, dessen Reichweite ich mir heute noch nicht erklären kann: Bevor man mir die Handschellen anlegte, hatte ich eine meiner Haarnadeln genommen und versucht, sie mir in die Brust zu stoßen. Die Geste war absurd, ich war mir völlig darüber im Klaren, dass ich mich so nicht würde umbringen können. Und doch war es nicht simuliert. Das war wohl auch die Ansicht der Polizisten, denn später ließen Sie mich überwachen, damit ich keinen ernsthafteren Selbstmordversuch mache…

Nun, es ist vorbei… »

Denise Vernay in Franc-Tireur, 23. August 1946

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