Stéphane Hessel

Stéphane Hessel

Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft. […] Für mich war das der Weg zum Hauptziel seit meiner Rückkehr aus Buchenwald: Die Bildung einer europäischen Föderation, die das enorme Potential der endlich in ihrer Vielfalt ausgesöhnten westlichen Gesellschaften in den Dienst einer großen globalen Ambition stellt. Der Motor dieses Ehrgeizes wäre nicht mehr der Machthunger, sondern der Hunger nach Gerechtigkeit, keine geographische oder ideologische Hegemonie, sondern die Wahrung des Rechts jedes einzelnen Individuums auf seinen Platz in einer so kosmisch wie möglich entfalteten Gesellschaft.
 

Pierre Sudreau

Ich bin in den Lagern zum Europäer geworden. Die gleiche Misere hat die Menschen verschiedener Nationalitäten vereint und die Grenzen gesprengt. Die Freundschaft und die Solidarität im Widerstand waren mehr wert als jede Rede. Die Anwesenheit von Deutschen verschiedenen Hintergrunds (Christen, Sozialisten, Kommunisten), von denen ein Großteil vor dem Krieg fürchterlich misshandelt worden war, verbot es uns, den Nationalsozialismus und Deutschland an sich zu verwechseln, gleichgültig, wie groß unsere Ressentiments waren. […]

Grenzen werden immer zur Geschichte der Menschheit gehören. Es ist aber wichtig, dass sie erträglich und nicht mörderisch sind.

Welcher Nationalität wir auch sind, wir sind Europäer.

Wie auch immer unsere Bildung aussieht, wir wissen instinktiv, dass wir die Erben einer Jahrhunderte alten Zivilisation sind.

Wie auch immer unsere Probleme im täglichen Leben aussehen, wir haben das Gefühl, zumindest in der Gemeinschaft, in einer fortschrittlicheren Welt zu leben, während in alle Ecken der Welt kollektive Dramen entstehen: Wir haben wirklich das Glück, in einer privilegierten Zone zu leben. Warum sollten wir sie also nicht erhalten und fördern?

In der von den Nazis verursachten Nacht gehörte ich zu denjenigen, die von einem kriegsfreien Europa träumten. Ein natürlicher Reflex, von tiefer Ehrlichkeit, als Reaktion auf die periodisch auftretenden Bruderkriege zwischen Deutschland und Frankreich. Drei Auseinandersetzungen innerhalb von siebzig Jahren und die beiden letzten europäischen Kriege haben zu weltweiten Kataklysmen geführt...Wir haben einen Teil des Weges geschafft: Eine bewaffnete Auseinandersetzung in Europa würde jetzt als regelrechter Bürgerkrieg angesehen werden und scheint in der aktuellen Situation ausgeschlossen. Aber wir müssen weiter gehen und Europa machen und damit dann die Welt bauen.