Gleich einem Schäfer treibt der SS seine Schafe ins Gatter.
Eines nach dem anderen wird rasiert, ein jämmerliches Kleidungsstück auf den Rücken und eine Nummer auf die Brust.
Nichts ist wirkungsvoller, um die Ehre zu vernichten!
Die Männer arbeiten schwer, mit einem Gedanken an ihre Frau, einem Murmeln.
Die NN werden am meisten misshandelt, die Soldaten mögen sie nicht.
Sie können keinen Schritt tun, ohne gestoßen oder geschlagen zu werden.
Ich bin enttäuscht, schockiert von diesen Abscheulichkeiten, wo ist bloß die Seele der Nazis geblieben?
Herz und Verstand sind hier nichts wert, der Nationalsozialismus dringt in sie ein und bindet ihnen die Augen zu.
Gelegentlich erwacht das steinerne Herz wie ein Vulkan;
Dann fliegt diese Binde stolz davon.
Doch der zitternde Soldat wagt nicht, seine Augen für die Realität zu öffnen.
Tausende Männer sind verbrannt,
Tausende Männer wurden erschossen,
und doch werden sie ewig leben, denn dieser Rauch steigt zum Himmel auf.
Diese Flammen, Symbole des Todes,
Diese Flammen, Symbole der Schmerzen und der Folter,
sollen sich diese Flammen vereinen und die Diktatur verschlingen!
Jean-François HOLL.
Wie konnte sich dieser so schöne, ruhige und attraktive Ort,
Dieses Symbol des Vergnügens der elsässischen Touristen,
Wie konnte sich dieser Ort in einen Tempel der Folter, der Abscheulichkeit, der menschlichen Grausamkeit und Ehrlosigkeit verwandeln.
Die hier begangenen Taten sind so schrecklich, dass selbst die Vögel sich nicht mehr niederlassen wollten.
Und doch war all das «nur" das Ergebnis aus dem Fanatismus eines Mannes.
Jérémy AUBIN.
Ein seltsames Leben.
Als ich klein war, da erklärte man mir, die Hölle läge einige Kilometer unter der Erde;
Jetzt bin ich hier; und ich stelle fest, dass sie sich 800 Meter über der Meeresspiegel befindet.
Ich hieß Nicolas, heute bin ich Matrikelnummer 8701,
SCHEISSE, WAS FÜR EIN HUNDELEBEN!
Franzosen oder Norweger, alle krepieren vor Hunger.
Heute muss ich in den Granitsteinbruch,
Auf diesem Boden, den die Nazis als gottgegeben ansehen.
Mit der verdammten Schubkarre gehe ich den Todesgraben hinunter.
Es ist soweit, jetzt bin ich dran;
Ein dreckiger SS hat mich im Visier,
Warum ? Warum? Warum?
Er stellt mir ein Bein, versucht, mich zum Stolpern zu bringen.
Ich hab mein Gleichgewicht wieder, sein Lächeln ist weg.
Ich weiß, bevor der Tag um ist, bin ich tot.
Da kann ich gleich einen Fluchtversuch über den elektrischen Stacheldraht unternehmen.
Wie es uns Kramer bei unserer Ankunft prophezeit hat:
" Durch dieses Tor seid ihr 'reingekommen, durch diesen Kamin geht ihr 'raus"
Ein SS kommt in meinen Block, greift mich am Arm und bringt mich zum Waldrand.
Er sagt; wenn ich die Bäume erreiche ohne erschossen zu werden, bin ich frei.
Er beginnt zu zählen:
"Eins, Zwei," Päng!
Ich weiß nicht warum, mein Körper schwankt, die Bäume vor mir entfernen sich immer weiter.
Ich habe keinen Kontakt mehr zum Boden, meine Füße haben die Erde verlassen.
Zu einem ganz kleinen Flug wird mein Körper in die Luft geschleudert.
Ich kann das nicht glauben, ich werde doch hier nicht krepieren!
Dieses Arschloch hat mir keine Chance gelassen.
Vor mir sitzt ein Spatz auf dem Boden;
Bedeutet das, ich werden davonfliegen?
Dass ich gen Himmel fliegen werde?
Ein zweites mal höre ich Päng und meine Geschichte ist zu Ende.
Nicolas SABIAN.
Die Bilder laufen vor meinen Augen ab
Messern gleich durchstechen sie mein Herz
Ich höre die Schreie der Vergangenheit, die meine Ohren zerreißen
Und ich, wie Sie, wir können nie etwas tun
Im Angesicht dieser Not
Mein Kopf schreit, mein Herz blutet
Oh Gott, wo bist Du in alledem?
Die Vergangenheit kann nie gelöscht werden
Diese Greueltaten können nicht vergessen werden
Und mit bleibt nur zu beten und zu warten
Dass wir eines Tages in Frieden leben werden.
Johann SCHUH.
Struthof
Ich danke den Menschen, die ihre Seele gegeben haben
Damit ich das Licht sehen kann
Um in Ruhe zu leben
Leider kann ich heute nur eine Kerze für sie anzünden
Männer oder Frauen, da gibt es keinen Unterschied
Sie waren alle hilflos
Der einzige Fluchtweg,
Er führte durch den Kamin
Ich kann sie mir gut vorstellen im Angesicht des Bösen
Personen voller Hunger und ohne Lächeln
Wie vom Leben vergessene verdorbene Früchte
Ich sehe sie gefesselt im Angesicht des Bösen
Und deshalb danke ich heute den Menschen, die ihre Seele gegeben haben,
Damit ich das Licht sehen kann
Um in Ruhe zu leben
Leider kann ich heute nur eine Kerze für sie anzünden.
Kevin GUILPAIN