Die Nebenlager

Was ist ein Nebenlager?

Die Nebenlager des KZ Natzweiler sind Fillialen des Stammlagers. Sie sind in den Verwaltungsstrukturen, der Wachhierarchie und den Deportationen an ihr Stammlager angeglichen. Die meisten Nebenlager waren in schon zuvor existierende Verwaltungsgebäude – wie zum Beispiel Schulen, Hangars oder Fabriken – untergebracht. Nur wenige Nebenlager ähnelten in der Form dem Stammlager, mit Umzäunung und Wachtürmen. Viele der Deportierten innerhalb des KZ Natzweiler haben das eigentliche Stammlager nie gesehen. Sie blieben über Monate beziehungsweise Jahre in den Nebenlagern. Auch in den Nebenlagern wurden durch eine strenge SS-Hierarchie Arbeitskommandos geleitet.

Die Geschichte der Nebenlager

Wie die anderen Konzentrationslager, verwaltete das KZ Natzweiler Nebenlager. Diese fast 70 Nebenlager befanden sich im Elsass, in der Moselle, und in Deutschland.

Das erste Nebenlager öffnete am 15. Dezember 1942 in Obernai mit 200 Deportierten. Eine Besonderheit des KZ Natzweiler ist, dass dessen Nebenlager auch nach der Schlieẞung des Stammlagers noch bis 1945 aktiv waren. Es wurden am 1. Januar 1945 sogar noch zwei weitere eröffnet (in Calw und Dormettingen).

Die Deportierten

Die Herkunft der Deportierten in den Nebenlagern unterscheidet sich von der Herkunft der Deportierten im Hauptlager. Die Juden, zahlenmäßig die zweitgrößte Gruppe des Natzweiler-Komplexes, werden größtenteils in die Nebenlager deportiert. Josef Kramer, der zum Kommandanten von Auschwitz ernannt worden war, verlegte zahlreiche Juden als Arbeitskräfte in die Nebenlager von Natzweiler. Ende September 1944 beläuft sich ihre Zahl auf 6000 Männer und Frauen. Die einzigen in Natzweiler registrierten Frauen arbeiten in den Nebenlagern. Sie alle sind Jüdinnen und kommen größtenteils aus Auschwitz.

Die Arbeit

Die Nebenlager des KL-Natzweiler wurden eingerichtet, um den Bedarf der Nazis an Arbeitskräften zu verwalten. Ihre Entwicklung ist eng mit der Entwicklung des Kriegs verbunden. Die Nebenlager, die ab 1942 gegründet werden, dienen einzig der SS, die Deportierten bauen und warten Schulen und Ausbildungslager der SS. Ab 1943 beginnen die Deportierten für die NS-Kriegsindustrie zu arbeiten, um es der Wehrmacht zu ermöglichen, auf die Rückschläge an der Ostfront zu antworten. Die Periode gegen Ende 1944 zeugt von der Flucht des Reichs nach vorne, mit einer Steigerung der Anzahl der eingerichteten Nebenlager, die mitten in Deutschland angelegt werden. Die Nationalsozialisten richten in höchster Eile eine Industrie der Zwangsarbeit ein, die aber keinerlei Produktionszwecken entspricht. Private Unternehmen unterzeichnen Verträge mit der SS, der Eigentümerin der Arbeitskräfte, die gnadenlos ausgenutzt werden können. In diesem System interessieren sich weder die SS noch die Privatunternehmen für Menschenleben.

Die Arbeitsbedingungen sind umso schwieriger, als viele der Lager in Stollen oder Tunneln vergraben sind, um nicht von den Alliierten bombardiert zu werden. Die Arbeit, der Hunger und das Fehlen von Licht und Behandlung führen zu zahlreichen Epidemien. Die Sterblichkeitsrate stieg so auf bis zu 80 %.

Die Todesmärsche

Zwischen Ende März und Ende April 1945 führt die Evakuierung der Lager durch die Todesmärsche zum Tod von 5000 Deportierten.

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