Die Prozesse

Josef Kramer

Josef Kramer wird am 17. April 1945 in Bergen-Belsen verhaftet.
Er steht im Prozess von Lüneburg in der britischen Zone vor Gericht. Die Verhandlung gegen den ehemaligen Lagerkommandanten der Lager Bergen-Belsen und Natzweiler beginnt am 17. September 1945.
Am 16. und 17. November 1945 werden die Urteile gesprochen.
Am 13. Dezember 1945 wird Kramer im Gefängnis von Hameln gehängt.

Wuppertal

In Wuppertal, in der britischen Besatzungszone, standen ab Mai 1946 die SS-Männer vor dem Militärgericht, die des Mordes an 4 Agentinnen des britischen Geheimdiensts SOE am 6. Juli 1944 im Lager Natzweiler-Struthof angeklagt sind. Im Anschluss an das Verfahren wird Hartjenstein, Lagerkommandant zum Zeitpunkt der Tat, zum Tode oder zu lebenslanger Haft verurteilt, allerdings ist das Urteil nicht rechtskräftig. Werner Rhode, der SS-Arzt des Lagers wird zum Tode verurteilt und im Oktober 1946 gehängt. Magnus Wochner, ehemaliger Gestapoverantwortlicher, wird zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt.

Rastatt

In Rastatt, in der französischen Besatzungszone, urteilt ein Militärgericht über die beiden letzten Kommandanten des Lagers, Friedrich Hartjenstein und Heinrich Schwarz, sowie die SS-Verantwortlichen der Nebenlager von Natzweiler in Baden-Württemberg. Das Urteil fällt am 1. Februar 1947. Die beiden Kommandanten werden zum Tode verurteilt, aber die Strafe wird nur an Heinrich Schwarz sofort vollstreckt. 19 weitere SS-Männer werden zum Tode verurteilt, darunter auch Franz Ehrmanntraut, der für seine Rolle im Nebenlager Bisingen verurteilt wird.

Der Prozess der Nazi-Ärzte

Die Nazi-Medizinprofessoren Bickenbach und Haagen, die Experimente an den Deportierten im Lager Natzweiler-Struthof vorgenommen haben, wurden in Nürnberg im Rahmen des Prozesses gegen die SS-Ärzte vernommen. Am 21. August 1947 werden 16 Nazi-Ärzte als schuldig befunden. 7 Todesurteile wurden verhängt, darunter auch gegen die Doktoren Brandt und Sievers.

Bickenbach und Haagen wurden in Frankreich inhaftiert. 1952 verurteilt sie das Militärgericht von Metz zu lebenslanger Zwangsarbeit. Das Urteil wird 1954 aufgehoben. Das Militärgericht von Lyon wandelt die Strafe in 20 Jahre Zwangsarbeit um. Bickenbach und Haagen werden beide 1955 freigelassen und kehren nach Deutschland zurück. Professor Hirt, der im Juni 1945 Selbstmord begangen hatte, wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Metz

Am 15. Juni 1954 beginnt vor dem Militärgericht von Metz der Prozess gegen die SS-Verantwortlichen des Lagers Natzweiler-Struthof, dessen Untersuchung bereits 1945 begonnen hatte. Sie werden für Verbrechen angeklagt, die auf französischem Boden begangen wurden. Am 2. Juni 1954 fällt das Urteil. Hartjenstein, der ehemalige Kommandant, dessen Todesurteil aus dem Rastatter Prozess damals nicht vollstreckt wurde, wird erneut zum Tode verurteilt. Ehrmanntraut und Fuchs, die ehemaligen Blockleiter, Nitsch, der ehemalige Verantwortliche für die Arbeitsorganisation und Wolfgang Seuss, der ehemalige Kommandant des Haftlagers, werden ebenfalls zum Tode verurteilt. Am Abend des Urteils stellen sie einen Revisionsantrag.
Hartjenstein stirbt 1954 im Gefängnis.
Im Dezember 1954 hebt das Berufungsgericht das Urteil des Prozesses von Metz auf und annulliert es. Die Angeklagten werden an das Militärgericht von Paris verwiesen. Vom 17. April bis zum 17. Mai findet in der Kaserne von Reuilly ein neuer Prozess statt. Nach Abschluss des Verfahrens werden Ehrmanntraut, Fuchs und Seuss zum Tode verurteilt. Die Strafe von Nitsch wird in 15 Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. Im Anschluss daran erfolgen Strafumwandlungen, Strafminderungen und schließlich die Freilassung.

Frankfurt

1970 beginnt vor dem Schwurgericht von Frankfurt am Main der Prozess gegen den Arzt Bruno Beger, der in Auschwitz die Selektion der jüdischen Menschen durchführte, die in der Gaskammer des Lagers Natzweiler-Struthof vergast wurden, um die "jüdisch-bolschewistische" Skelettsammlung von Professor Hirt zu "bereichern". Er wird wegen Beihilfe zum Mord zu 3 Jahren Haft verurteilt.

Köln

1984 wird Dr. Roël, Mitarbeiter von Bickenbach und Haagen im Anschluss an sein Verfahren vor dem Schwurgericht Köln freigesprochen.