Das völlig neu gestaltete Museum widmet sich von nun an der Geschichte des Konzentrationslagers Natzweiler und seiner Nebenlager. Es zeigt die Gegenstände aus dem Lager aus den alten Sammlungen sowie zahlreiche Dokumente und Gegenstände, die dem Publikum noch nicht bekannt sind.
Anhand der Nazi-Archive über das KL-Natzweiler konnte die Geschichte des Lagers teilweise rekonstruiert werden. Zahlreiche Sammlungen wurden der Direction de la mémoire, du patrimoine et des archives (Direktion für Erinnerung, Kulturerbe und Archive - DMPA) zur Verfügung gestellt, die für die Durchführung dieses Projekts verantwortlich ist und eine Auswahl von mehreren Hundert Dokumenten getroffen hat, die aus verschiedenen Einrichtungen stammen. Hier die wichtigsten:
Auch wenn es nur wenige Bilder der Deportierten im Inneren des Lagers gibt, so ist die Ikonographie über die Anlage, die Umgebung und die Arbeit der Deportierten außerhalb des Lagers sehr reich. Das gilt auch für die Nebenlager von Natzweiler. Die Bilder stammen zum Teil aus dem Fundus der Archive (Militärjustiz, BOFAA etc.) zum Teil aus Bilderreihen, die zwischen 1942 und 1944 aufgenommen wurden und nach dem Krieg wiedergefunden und in Form von Postkarten zu Gunsten des Comité des Œuvres sociales de la Résistance (Komitee für Hilfswerke des Widerstands) veröffentlicht wurden. Einen Teil der ausgestellten Bilder verdanken wir auch den Begegnungen mit und den Recherchen bei ehemaligen Deportierten, die einige Dokumente in ihren persönlichen Archiven aufbewahrt hatten.
Mehrere Deportierte des Lagers Natzweiler und einiger Nebenlager haben heimlich oder nach ihrer Rückkehr zahlreiche Episoden ihres Lebens und Leidens und dem ihrer Kameraden gezeichnet. Henri Gayot und Jacques Barrau, zwei französische Deportierte, Ernest Gillen, ein luxemburgischer Deportierter und Rudolf Naess, ein Deportierter aus Norwegen haben unter anderen durch ihre Zeichnungen, Gravuren, Skizzen und Aquarelle einen wertvollen Einblick in das tägliche Leben gegeben.
Die Deportierten selber, ihre Nachkommen oder Rechtsnachfolger haben der DMPA freundlicherweise erlaubt, diese bewegenden Werke zu zeigen, die eine wertvolle Ergänzung zu den Dokumenten der Archive darstellen.
Für viele ist die Präsentation dieser Dokumente für eine breite Öffentlichkeit sowohl eine Hommage an die Verstorbenen als auch eine absolute Notwendigkeit, "um nicht zu vergessen".
Die Depots, Leihgaben und Schenkungen von den 1980er Jahren bis heute machen es uns möglich, mehrere Dutzend Gegenstände aus dem täglichen Leben (Kleidung), von der Arbeit (Hacke) und vom Willen, trotz allem zu widerstehen (heimlich hergestellte Gegenstände) sowie vom Tod (Zange des Krematoriums) zu zeigen. Die Verbände und die Gedenkstätten der Nebenlager haben dabei eine wertvolle Hilfestellung geleistet.
Die interaktiven Säulen in der Halle widmen sich den wichtigsten Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis. Die Reproduktionen von Archivdokumenten, Fotografien, Plakaten und Zeichnungen, die dort gezeigt werden, wurden anhand von Originalen hergestellt, die den Gedenkstätten der Lager in Deutschland, in Polen und in Österreich sowie Archivzentren und Fotoagenturen in Frankreich und im Ausland gehören. Jede Säule stellt eine Datenbank mit ca. 100 Dokumenten dar.
Die Dauerausstellung rund um den Kartoffelkeller zeigt etwa 400 Reproduktionen von Fotografien, Plakaten und Archivdokumenten, mit der die Geschichte in Europa von 1919 bis in die heutige Zeit verfolgt werden kann. Die Sammlungen zahlreicher Presseagenturen, Sammlungen privater und öffentlicher Archive, Museen und Stiftungen in Frankreich und im Ausland wurden durchforstet, um ein breites Panorama der Widerstandsbewegungen gegen den Nationalsozialismus in Europa zusammenzustellen. Die Filme "Ihr, die lebt" und "Sei gegrüßt, mein Bruder" wurden auf der Grundlage von fotografischen Dokumenten realisiert, die der breiten Öffentlichkeit größtenteils unbekannt sind und in fast einem Dutzend europäischer Länder bei Museen und Fotoagenturen gesammelt wurden.
In der Halle sind Gegenstände aus den größten Konzentrations- und Vernichtungslagern ausgestellt. Sie wurden von den Gedenkstätten der Lager aber auch von der Holocaust-Gedenkstätte in Washington und der "Amicale nationale des déportés et familles de disparus de Mauthausen et de ses Kommandos" (Nationaler Freundeskreis der Deportierten und Familien der Opfer von Mauthausen und seiner Kommandos) bereitgestellt. Ein zerbrochenes Monokel, Teile eines Kamms, eine kleine Stoffpuppe und ein Chemiebuch zeugen vom täglichen Leben im Lager oder von der Zeit "davor". Ein Behälter von Zyklon B, die Identifikationssäule einer Baracke, der Bügel einer Desinfektionskammer erinnern an die Hölle, den Tod.