Schülerguides

Deutsche Gymnasiasten aus Baden-Württemberg, die den freiwilligen Seminarkurs „Ausbildung zum Schülerguide für die Gedenkstätte Natzweiler“ der Kursstufe 1besuchen, organisieren für die 9.

Klassen eines Gymnasiums, ca. 120 Schülerinnen und Schüler, eine Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler, aufgeteilt in Kleingruppen, um dadurch eine intensivere Beschäftigung mit diesem sensiblen Themenbereich zu ermöglichen. In einer „Massenführung“ wäre dies nicht möglich.
Die Schülerinnen und Schüler dieses Kurses beschäftigen sich intensiv mit den zu vermittelnden Inhalten, lernen zu recherchieren, wissenschaftlich zu arbeiten und üben den Umgang mit Gruppen, den Aufbau einer Führung, freies Sprechen etc.
Andere Schulen in Baden-Württemberg thematisierten die Außenlager der Gedenkstätte, ehemalige Synagogen, Orte des Widerstands, vielleicht werden in naher Zukunft auch Museen und ähnliche Einrichtungen eingebunden. Die Testphase dieses Modellprojektes fand im Schuljahr 2018/19 statt.

Timm Düsterhöft ist Geschichtslehrer an der Hans-Furler-Oberschule in Oberkirch. Seit Beginn des Schuljahres arbeitete er an dem Projekt "Schülerguides". Seine Klasse entschied sich für das Hauptlager Natzweiler.
Die 14 Schülerguides waren bereits im November in das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler gekommen, um ihre Führungen vorzubereiten. Während eines Wochenendes lernten sie die Örtlichkeiten kennen und wurden unter anderem von Fachleuten thematisch und organisatorisch geschult und in die Verwendung verschiedener Vermittlungshilfen eingewiesen, ...

Am Freitag, den 22. März 2019 war es dann soweit. Die Schülerguides wandten ihre bisher erworbenen Kenntnisse in der Praxis an. Die verschiedenen Gruppen besichtigten die Orte, die ihnen am wichtigsten erschienen, z.B. das Krematorium, die Appellplätze, den Steinbruch, die Villa und sogar die Gaskammer.
Die Schülerinnen und Schüler hatten verschiedene Materialien zur näheren Erläuterung ihrer Ausführungen vorbereitet, wie laminierte Dokumente und Fotos, Zitate oder Zeugnisse.


Die Führung wurde im Anschluss jeweils durch ein zwölfseitiges Dossier dokumentiert und die gemachten Erfahrungen kritisch analysiert.
Weiter erfolgt eine intensive Auseinandersetzung mit einem ausgewählten historischen Thema, das Lager betreffend, wie z.B. medizinische Experimente, die erfolgreiche Flucht aus dem Jahr 1942 oder die Nachkriegsprozesse.
Im Anschluss an dieses Projekt hat die Landeszentrale für politische Bildung ein Ausbildungsprogramm geschaffen, das allen jungen Menschen offen steht, um sich der Weitergabe der Geschichte widmen zu können.
Nach einer gemeinsamen Trainingsbasis stehen die Richtungen: "Konzentrationslager" und "Jüdisches Gedächtnis“ zur Wahl.